Referenten Peter Knäbel, Domenico Tedesco und Erik ten Hag

Es ist außergewöhnlich und anerkennenswert, wenn ein Bundesligaklub mit dem Cheftrainer an der Spitze Gastgeber einer Trainerfortbildung ist und diese auch inhaltlich mitgestaltet.
Mit diesen Worten begrüßte Franz-Josef Reckels mit dem Vorstand der westfälischen Verbandsgruppe 110 Trainerkollegen und 40 Junioren-Trainer und Verantwortliche des FC Schalke 04 in den VIP-Räumen der Arena auf Schalke.
Verantwortlich für die kooperative Zusammenarbeit war in erster Linie Peter Knäbel, seit April 2018 Senior Direktor „Knappenschmiede & Entwicklung“ beim Revierklub.

Er stellte die Nachwuchsabteilung, die „Knappenschmiede“, und die eingeleiteten Veränderungen vor. Darüber hinaus ging er auf die Entwicklung des deutschen Nachwuchsfußballs mit sachlich kritischen Anmerkungen ein. Er plädierte u.a. für ein konsequentes Talentmodell, eine bessere Ausbildung und mehr Geduld mit den jungen Talenten. Eine in vielen Vereinen festzustellende „Frühselektion“ sei wenig hilfreich, insgesamt werde in den verschiedenen Jahrgangskadern deutlich zu viel gewechselt. Ebenso müsse die täglich enorme zeitliche Belastung (Bsp. Fahrdienst) der Kinder und Jugendlichen wie auch das übertriebene „Kümmern“ zu vieler Begleiter hinterfragt werden. Die jungen Menschen bräuchten für ihre Persönlichkeitsentwicklung Freiräume und die Chance, ihre Lösungen selbstständig und selbstbestimmt zu finden.

Mit Blick auf den deutschen Fußball sei es alarmierend, wenn die Verantwortlichen feststellen, dass in den U-Nationalmannschaften unterhalb der U 21 die Top-Talente fehlen, besonders für die Offensive. Dies verdeutlichte er am Vergleich des vergangenen Spieltages, an dem neun ausländische aber nur drei deutsche Toptalente der Jahrgänge (98 – 2000) zu Bundesligaeinsätzen kamen. So betrachtet müsse man selbstkritisch feststellen, dass in unserer Ausbildung etwas falsch laufe.

Abschließend forderte Peter Knäbel, in den Trainingseinheiten deutlich mehr zu spielen und spielen zu lassen, denn „Fußballspielen lerne man nur durch Fußball spielen!“

Im Anschluß referierte in beindruckender Weise Cheftrainer Domenico Tedesco zum Thema des Tages, „Manndeckung im modernen Fußball - Lösungen gegen eine Manndeckung“. Die beste Lösung bleibe natürlich immer, das Eins gegen Eins zu gewinnen…. Tedesco ging in seinem Referat gewohnt systematisch vor, er stellte unter Einbeziehung der Trainer Lösungsansätze vor, und zwar individualtaktische, gruppen- und mannschaftstaktische.

In der Praxiseinheit mit den Profis und einigen U 23-Spielern demonstrierten Domenico Tedesco und Co-Trainer Peter Perchtold dann in anspruchsvollen Spielformen das Trainieren von Lösungen gegen eine Manndeckung.

Nach einer Reflexion der Praxis stand als abschließender Höhepunkt ein Trainergespräch zwischen dem Cheftrainer von Ajax Amsterdam, Erik ten Hag, und Domenico Tedesco auf der Tagesordnung, moderiert von Paul Schomann, dem langjährigen DFB-Trainer. Themen waren hier erneut die Manndeckung im modernen Fußball und darüber hinaus die aktuelle Situation des Fußballs in den Niederlanden und in Deutschland. Erik ten Hag, gut Deutsch sprechend, erwies sich als profunder Kenner des deutschen Fußballs. Er stellte zunächst fest, dass nach seiner Wahrnehmung in Deutschland die Qualität des Fußballs zu negativ gesehen werde. So gebe es sehr wohl junge Top-Spieler für nahezu alle Positionen, auch die Offensive, auch wenn ein typischer „Neuner“ fehle.

Er nannte Sane, Werner, Gnabry, Brandt, Draxler und Havertz. Die Problematik in den jungen Jahrgängen hingegen könne er nicht seriös einschätzen.

Tedesco und ten Hag waren auch einig in der Feststellung, dass es primär nicht um die Entwicklung der Trainer gehe, sondern die Förderung und Entwicklung der Spieler. Dieses gelte ausdrücklich und alternativlos für den Nachwuchsbereich. Das derzeitige System im Fußball stimuliere förmlich eine Ungleichbehandlung. Der ambitionierte Trainer in einem NLZ will gewinnen, will Titel, dann steigt er auf in der Altersklasse und „Hierarchie“ und erhält ein höheres Gehalt. Das sei der falsche Weg. Domenico Tedesco schlug als Verbesserungsidee vor, in jedem Verein ein Kompetenzteam einzurichten für die Beurteilung der jungen Talente. Es dürfe nicht allein der Trainer/ein Verantwortlicher über die Zukunft der Kinder und Jugendlichen entscheiden.

Die Teilnehmer waren sich am Ende einig, die Fortbildung „auf Schalke“ war eine Besondere. Die aktuellen Themen, hervorragende Referenten und mit Schalke 04 ein excellenter Gastgeber werden in Erinnerung bleiben.

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