Die DFB-Akademie hat die Traineraus-, Fort- und Weiterbildung in den vergangenen Monaten überarbeitet und optimiert. Die Veränderungen auf der DFB-Ebene sollen auch zu einem Perspektivwechsel führen. Markus Nadler, Abteilungsleiter in der Trainer Aus-, Fort- und Weiterbildung, erklärt die Gründe für die Reformen, die neue Philosophie und welche Effekte er sich davon verspricht.

DFB.de: Die DFB-Akademie hat die lange Corona-Pause genutzt und viele Änderungen in der Ausbildung der Trainer*innen vorgenommen. Welche Angebote sind neu?

Markus Nadler: Wir haben das Lehrgangsangebot des DFB umfangreich überarbeitet und an unsere neue Ausbildungsphilosophie angepasst. Dabei geht es unter anderem um eine differenzierte Ausbildung von Jugendtrainer*innen. Diese Zielgruppe braucht zwingend separate Ausbildungsformate. Mit der Einführung der A+-Lizenz haben wir eine neue Lizenz gestaltet, die sich an Trainer*innen im Top-Nachwuchsbereich richtet. Des Weiteren wurden mit der Torwart- und der Futsal-B-Lizenz komplett neue Lizenzen geschaffen.

DFB.de: Der DFB erhält also fortan ein runderneuertes Ausbildungssystem. Welche Philosophie steckt dahinter?

Nadler: Alle Ausbildungsformate sind Teil eines dynamischen Prozesses, in dem Inhalte und Strukturen permanent auf den Prüfstand gestellt werden. Nur so lassen sie sich an die zunehmende Komplexität des Fußballs anpassen.

Individualisierte Ausbildung

DFB.de: Können Sie das präzisieren?

Nadler: Im Mittelpunkt der zukünftigen Ausbildung von Trainer*innen stehen fünf Kernbotschaften: Wir orientieren uns klar an den Alltagskompetenzen der Trainer*innen. Dazu passt, dass sie die Lehrgangsinhalte fortan in ihrem tatsächlichen Arbeitsumfeld anwenden – also auf dem Platz, mit der eigenen Mannschaft. Bereits gesammelter Erfahrung als Trainer*in messen wir nun einen höheren Wert bei. Während der Ausbildung unterstützen wir die Trainer*innen individueller als je zuvor und fungieren als Lernbegleiter*innen. Deswegen verlängert sich auch die Ausbildungszeit.

DFB.de: Und wie lassen sich diese Kernthemen konkret umsetzen?

IMG 0687Markus Nadler, Abteilungsleiter Trainer Aus-, Fort- und Weiterbildung beim DFB.

Nadler: Differenzierte Ausbildungswege ermöglichen eine individuellere Begleitung. Heißt: Wir reduzieren die Zahl der Teilnehmenden und erhöhen gleichzeitig die der Ausbildenden. Durch die längeren Ausbildungen sollen Feedback- und Reflexionsprozesse angestoßen werden. Wir wollen Trainer*innen befähigen, die Spieler*innen in ihrer individuellen Entwicklung optimal zu begleiten. Grundlage dafür ist eine umfangreiche Trainer*innen-Erfahrung.

DFB.de: Müssen sich Interessierte zum Einstieg final entscheiden, ob sie im Jugend- oder Erwachsenenbereich arbeiten wollen?

Nadler: Ja. Um praxisnah auszubilden, benötigen wir spezifische Junioren- und Senioren-Wege. Wir berücksichtigen aber auch individuelle Karriereverläufe. Je mehr Erfahrung Trainer*innen zwischen den Ausbildungsstufen sammeln, desto besser. Das intensiviert die Entwicklung. Relevante Trainer*innenerfahrung vorausgesetzt, wird es immer möglich sein, einen eigenen Weg zu gehen.

Trainerausbildung als Entwicklungsweg

DFB.de: Das neue Entwicklungsmodell für Trainer*innen bildet künftig den roten Faden über den kompletten Entwicklungsweg. Können Sie genauer auf das Modell eingehen?

Nadler: Das Entwicklungsmodell, welches zukünftig von der Profitrainer*innen- bis zur C-Lizenzausbildung den inhaltlichen roten Faden bildet, dient mit seinen vier Entwicklungsdimensionen als Fixpunkt. Die eigene Persönlichkeit, die Spieler*innen und das Spiel, die Führung von Teams und Organisationen sowie der Umgang mit dem "System Fußball" bilden den Rahmen. In sämtlichen dieser Bereiche werden ein tieferes Verständnis, höhere Fähigkeiten im praktischen Handeln und ein Bewusstsein für Weiterentwicklungsmöglichkeiten vermittelt. Immer mit einem ganzheitlichen Blick, bezogen auf die alltäglichen Anforderungen an die Trainer*innen.

DFB.de: Lassen Sie uns exemplarisch eine der vier Dimension genauer betrachten.

Nadler: Schauen wir dazu auf "das Ich der Trainer*innen". Es steht im Zentrum des Modells, weil hier entscheidende Prozesse angestoßen werden, in denen sich die Trainer*innen mit ihrer eigenen Rolle beschäftigen. Sie reflektieren etwa folgende Fragen: Was macht mich aus? Wie nehme ich mich selbst wahr und wie werde ich von anderen wahrgenommen? Mit welchen Spielercharakteren komme ich gut klar, mit welchen weniger gut, und warum ist das so? Über die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln und durch gegenseitiges Feedback wird jede*r Einzelne in die Lage versetzt, seine individuellen Stärken effektiver einzusetzen und ein Bewusstsein für weitere persönliche Entwicklungsschritte zu entwickeln. Wer mehr Infos zu den anderen Dimensionen sucht, findet sie in unseren Akademiewelten.

DFB.de: Blick wir nochmal auf das große Ganze. Warum war diese umfangreiche Reform notwendig?

Nadler: Bisher durchliefen alle Trainer*innen den gleichen Bildungsweg. Es gab nur wenig Möglichkeiten der Individualisierung. Die vermittelten Inhalte waren auf das Spiel, also Training und Analyse, fokussiert. Um Trainer*innen ganzheitlich zu entwickeln, fehlten wesentliche Inhalte. Zukünftig stellen wir den Menschen in den Mittelpunkt. Das heißt, dass wir von den Spieler*innen und Trainer*innen ausgehen, Dinge ableiten. Nicht, wie bisher, umgekehrt.

Langfristiges Ziel: Verbesserung der Spieler*innen

DFB.de: Und welche Effekte versprechen Sie sich?

Nadler: Wir legen den Fokus auf eine kontinuierliche Begleitung der Trainer*innen vor Ort in den Vereinen, sowie während der Präsenzphasen in den Sportschulen. Der Online-Campus der DFB-Akademie ermöglicht es uns, einen Einblick in den Alltag der Trainer*innen zu erhalten. Wir vermitteln alltägliche Trainer*innen-Kompetenzen – anwendungsorientiert. Das heißt, dass die Coaches erworbene Kompetenzen direkt in ihrem Umfeld, mit der eigenen Mannschaft anwenden und reflektieren. Ein neuer Ansatz, durch den wir jede*n Trainer*in weiterbilden und -bringen möchten. Schlussendlich wollen wir die Trainer*innen befähigen, ihre Spieler*innen in ihrer individuellen Entwicklung optimal zu begleiten. Langfristig zielt das Ganze darauf ab, die Spieler*innen besser zu machen.

DFB.de: Auch die Rahmenbedingungen ändern sich. Was hat es mit dem neuen Bewerbungsprozess auf sich?

Nadler: Trainer*innen haben zukünftig zweimal pro Jahr die Möglichkeit, sich für Ausbildungsmaßnahmen zu bewerben. Das "first-come-first-serve-Prinzip" hat ausgedient, zeitlich definierte Bewerbungsphasen machen den Bewerbungsprozess stattdessen fairer und transparenter. Das anschließende Aufnahmeprüfverfahren eröffnet den Bewerber*innen die Chance, nach klaren Kriterien einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Wer jahrelang mehrmals pro Woche mit einer Mannschaft gearbeitet hat, wer Seminare zum Thema Leadership besucht oder einen Studiengang im Sportkontext abgeschlossen hat, bekommt schneller einen Ausbildungsplatz. Wir gewähren dadurch eine hohe Qualität in der Ausbildung und können – trotz großer Bewerber*innenzahlen – wirklich die Besten auswählen.

Quelle: DFB  

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