Ein intensiver zweiter Kongresstag geht zu Ende. Dabei zeigte sich einmal mehr die große Bandbreite der Trainer*innenarbeit: Potenziale entwickeln, Spieler*innen körperlich und mental stärken, Verhalten verstehen und Erkenntnisse schließlich auf den Trainingsplatz übertragen.
Unterschiedliche Perspektiven auf Entwicklung und Leistung
Wie Potenziale erkannt, entwickelt und langfristig genutzt werden können, zeigte Meikel Schönweitz am Beispiel des 1. FSV Mainz 05. Der Technische Direktor gab Einblicke in den Mainzer Weg und machte deutlich, welchen Stellenwert eine konsequente und nachhaltige Entwicklung von Spieler*innen einnimmt. Als Ausbildungsverein setzt Mainz 05 seit vielen Jahren darauf, Talente gezielt an den Profifußball heranzuführen und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Dass die 05er seit 2009 ununterbrochen in der Bundesliga spielen, unterstreicht die nachhaltige sportliche Entwicklung des Vereins.
Einen weiteren Höhepunkt setzte Christian Wück. Der Bundestrainer präsentierte die Spielvision der Frauen-Nationalmannschaft und gab den Teilnehmer*innen Einblicke in die sportlichen Leitlinien und Ideen für die Arbeit mit seinem Team. Dabei analysierte Wück gemeinsam mit dem Publikum verschiedene Spielsituationen mit Fokus auf die Position der Außenverteidigerin und steigerte die Vorfreude auf die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien.
Wie eng sportliche Leistungsfähigkeit mit körperlichen und mentalen Faktoren verbunden ist, verdeutlichten anschließend Prof. Dr. Andreas Schlumberger und Frank Wormuth. Während Schlumberger Prävention und Belastbarkeit in den Mittelpunkt rückte, betrachtete Wormuth die Möglichkeiten von Trainer*innen, Spieler*innen auf mentaler Ebene zu unterstützen.
Am Nachmittag ergänzte der englischsprachinge Vortrag von Prof. Dr. Geir Jordet diese Perspektiven um einen sportpsychologischen Blick auf die Körpersprache von Spieler*innen. Dabei verdeutlichte er, welche wichtige Rolle Körpersprache im Fußball spielt und wie sie sich auf das individuelle Verhalten sowie das gesamte Team auswirken kann. Seine Analysen zeigten zudem, dass sich erfolgreiche Spieler*innen und Teams auch in ihrer Körpersprache von weniger erfolgreichen unterscheiden.
Dass sich wertvolle Erkenntnisse auch über die Grenzen des Fußballs hinaus gewinnen lassen, zeigte Markus Gaugisch. Der Bundestrainer der Frauen-Nationalmannschaft des DHB gab Einblicke in den Weg zur Vize-Weltmeisterschaft und die Konsequenz, die hinter sportlicher Entwicklung und Erfolg steht. Gleichzeitig zeigte der Blick in den Handball, wie wertvoll der Austausch über die eigene Sportart hinaus sein kann. Unterschiedliche Erfahrungen, Trainingsansätze und Perspektiven bieten die Möglichkeit, voneinander zu lernen und neue Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen. Gerade diese interdisziplinäre Zusammenarbeit macht deutlich, wie sehr verschiedene Sportarten voneinander profitieren können.
Workshops: Austausch im kleineren Kreis
Parallel zu den Vorträgen boten die Workshops viel Raum für den direkten Austausch. In kleineren Gruppen konnten die Teilnehmerinnen Themen aus Talent- und Spieler*innenentwicklung, Schnelligkeits- und Torwarttraining, Daten und KI sowie Spielanalyse vertiefen. Auch „Antisemitismus im Fußball – Erkennen und Widersprechen“ war Teil des Workshop-Angebots. Fragen, Erfahrungen aus der Praxis und unterschiedliche Sichtweisen sorgten dabei für einen intensiven fachlichen Austausch.
Neue Impulse auf dem Trainingsplatz
Zum Abschluss verlagerte sich das Geschehen erneut ins Bruchwegstadion. Benjamin Hoffmann und sein Trainerteam zeigten mit der U23 des 1. FSV Mainz 05, wie im Offensivtraining gleichzeitig defensive Aspekte gecoacht werden können.
In der zweiten Einheit des Nachmittags übernahm Oliver Lederer. Der Ausbildungsleiter und Cheftrainer der U18-Junioren des ÖFB präsentierte unter dem Titel „Unser Weg zum Tor“ seine Ansätze für die offensive Trainingsarbeit. Als Demo-Team stand auch hier die Mainzer U23 auf dem Platz.
Nach dem fachlichen Programm rückte am Abend noch einmal das Miteinander in den Mittelpunkt. Bei der traditionellen „3. Halbzeit“ bot sich den Teilnehmer*innen die Gelegenheit, Gespräche fortzuführen, neue Kontakte zu knüpfen und den zweiten Kongresstag gemeinsam ausklingen zu lassen.
